Mittwoch, 14. März 2012

HORDAK "Under The Sign Of The Wilderness"

Band: HORDAK
Titel: Under The Sign Of The Wilderness
Genre: Pagan Black Metal
Label: Eigenpressung
Punkte: 10 / 10

So, dies ist es also nun: Das für jede Band auf diesem Planeten so wichtige dritte Album. Und Hordak haben hierfür auch deutlich hörbar alles gegeben, was sie überhaupt zu bieten haben. Personell verstärkt haben sich Gitarrist und Sänger Autumn War sowie sein verschworener Heidenbruder Winter War diesmal mit den beiden neuen Pagan Black Metal-Mitstreitern, Tieftoner A. Mansilla und Drummer J. Sierra. Das erneut von Kris Verwimp stammende Frontcover-Artwork kann neben dem viel versprechenden programmatischen Albumtitel „Under The Sign Of The Wilderness“ vorab schon mal bestens auf das musikalisch Folgende einstimmen. Famos los geht es zunächst mit einer prächtig instrumentierten und genussvoll verspielten Folklore-Introduktion, welche simpel als „Intro“ tituliert wurde. Diesem symbolschwangeren Beginn schließt sich der tosend brachial geschmetterte Opener „722“ an, welcher einem Hordak in zeitloser Reinkultur bietet: Kernig, druckvoll, martialisch rhythmisiert und einnehmend melodisch! Der erste Hammer-Hit dieser neuen Kriegerscheibe stellt sich dann in Form von „Spreading The Firewings“ begeisternd dar: Ein frenetisch gespielter Uptempo-Knaller der absolut packenden Sorte, der mehr gute Ideen enthält als so manche Genre-Veröffentlichung insgesamt. Das formidabel komponierte und effizient strukturierte Stück haut mit furios aufpeitschenden Gitarren-Leads rein, die man so schnell nicht vergessen kann.

Im Anschluss daran ebnet der siebenminütige Titelsong „Under the Sign Of The Wilderness“ den Weg für weitere Pagan Black Metal-Glückseligkeit: Kantig barsch gehauen und dabei dennoch knackig getaktet, ist auch dieser Komposition eine ganz hervorragende Melodik zueigen. Meister Autumn War vokalisiert hierbei erneut mit aller wütenden urheidnischen Stimmkraft. Der Kerl kreischt so wonnig räudig, verkommen und gehässig triumphal über allen Dingen, dass es unweigerlich ansteckend wirkt. Durchweg lobenswert differenzierte Gitarrenarbeit sowie im besinnlich orientierten Mittelteil eine von atmosphärisch gezupften Akustik-Klampfen durchzogene epische Passage machen auch aus dieser Nummer eine dauerhaft hörenswerte Angelegenheit. Kurz vor Schluss des enorm ereignisreichen Tracks beglückt den Hörer noch ein traumhaftes Saiten-Solo von verschlingend griffiger, metallisch schön traditionell gehaltener Spielnatur. Die ganz große Stärke von Hordak auf „Under The Sign Of The Wilderness“ tut sich spätestens jetzt unleugbar auf: Bereits mit relativ wenig Zuwendung entfalten sich die kreativen Intentionen der instrumentell bemerkenswert versierten Urheber nämlich bestens. Man kennt dies von zahlreichen Schwermetall-Klassikern aus der Blütezeit des Heavy Metal an sich, den 1980er Jahren. Und das schließt hier auch immer wieder massiv nostalgisch stimmende Arrangements mit ein, die gut zum sonstigen rigiden Klanggeschehen passen.

Dieser massive Pagan Black Metal-Schild ist also durchwegs ein echtes Vollblut-Produkt. Aufmachung, Songs, Lyriken und Sound sind eindeutig und zweifellos von wirklichen Überzeugungstätern für die heidnische Ewigkeit zusammengebracht worden. Der siebte Erfolgs-Schlag auf dem aktuellen Hordak-Langspieler ist der berauschend schmissig melodisierte Super-Track „The Song Of The Distant Waves“. Er erinnert nicht wenig an gute alte Mithotyn, zu Zeiten ihres zweiten Albums „King Of The Distant Forest“. Die Kombination der Bestandteile ist hierbei so stimmig, dass es sich anfühlt, als würde man einem sehr vertrauten Freund zuhören. Und in genau dieselbe Kerbe haut hier auch „The Rising Of The Warhammers“, worin die Hordak-Kriegerschaft regelrecht wollüstig böllernd und wild riffend um sich wütet. Zum empor hebenden Schluss dieses achten schweren Song-Schwertes hin jubilieren die Griffbretter regelrecht, und es erschließt sich: Die selbstlos exerzierte Gitarren-Hingabe von Autumn War und Winter War ist auch hierin von bestechender Erscheinung. So scharfe Saiten ziehen wohl nur eine Handvoll Heidenmetall-Horden auf dieser Erde auf.

Und so hocherbaulich geht es weiter, bis zum Ende der gigantisch inhaltsreichen Veröffentlichung. Die Gesamtspieldauer dieses künstlerisch so feurig angerichteten Heidentellers beträgt knapp über 56 Minuten. Und nur noch äußerst selten verstehen es all die Metier-Repräsentanten nach dem erfolgten Abflauen des Pagan Metal-Booms mittlerweile, so dermaßen viel an lichterloh lodernden Leidenschaften auf einen Tonträger zu packen. Wirklich ergebene Pagan Black Metal-Fanatiker, die ständig nach authentischen Notentruppen mitsamt aufrichtigen Songs und ergötzlich akzentuierter Klangkunst Ausschau halten, kommen an dieser vollauf mitreißenden Prachtplatte einfach nicht vorbei!

© Eckbert, 28.10.2011

Dienstag, 29. November 2011

HANGATYR "Helwege" Review

Band: HANGATYR
Titel: Helwege
Genre: Pagan Black Metal
Label: Nocturnal Empire
Punkte: 9 / 10

Bedrohlich böllernd, aber mit sofort zu verspürender überlegener Erhabenheit beginnt hier sogleich der erste Song, „Ahnengrab“ betitelt – teils genussvoll unterlegt von anmutigem Akustikgitarrenspiel, röhren herrlich fies sägende Riff-Kreationen in eher schleppendem Tempo. Bemerkenswert: Die in deutscher Muttersprache lyrisierte Vokalmischung aus giftig geiferndem Hassauswurf und altheroischem Klargesang von Urschrei-Kehle Silvio zieht ebenfalls schnell in ihren hypnotischen Bann. Der unbändig inbrünstige Kerl hat es wirklich verdammt gut drauf – Silvio „er-lebt“ die Musik von Hangatyr sozusagen mit jeder Zelle, mit jeder Faser von Geist und Körper. Packend. Ich kann mich schier nicht satt hören an solch’ mordsgrimmigen und immens zürnenden Tiraden, die mir direkt aus Seele zu sprechen scheinen. Apropos, dieser musikhandwerklich sehr fein gemachte Silberschild hat mehr Seele in sich als hundert gut gefüllte „Nightclubs“, „Bars“ und „Lounges“. Fest steht: Wer so „singt“, dem haben die meinungsbildenden Organe der modernen Schweinemedien noch nicht das Gehirn gegen einen Blumenkohl ausgetauscht.

Im Laufe der Spieldauer schlägt das wirklich tolle Stück dann in zügellos rasende Tempi über, präzise rhythmisiert und jederzeit mitreißend – was nicht zuletzt an der durchdacht ins Spiel gebrachten frostigen Mystikermelodik liegt. Letztere sorgt bis zum Schluss immer wieder für erfreut hochgezogene Augenbrauen. Ein guter Einstand, dem auf diesem empfehlenswerten Pagan Black Metal-Album noch so manches heidnischmusikalische Glanzlicht folgen soll, wie sich weiter herausstellt. Animierend roh und packend barsch geht es auf „Helwege“, diesem bewegenden Debüt, weiter: Auch die restlichen sieben Kompositionen künden von umfangreichem Können und literweise kochendem Herzblut für alte Werte und die Liebe zu Mutter Natur – so soll es sein.

Im vierten Stück „Trollhammar“ gibt es gar mächtig intonierte Kriegerchöre zu genießen, die ich in dieser einnehmenden Ernsthaftigkeit und gigantischen Hingabe selten aus deutschen Gefilden vernommen habe – ein Traum für Kenner! Mächtig, wie heftig der „Trollhammar“ hernieder saust – ergreifend durch die Lead-Gitarren melodisiert, donnernd getaktet und mutig vorpreschend schufen die Beteiligten mit viel Liebe eine enorm bestärkende Heidenhymne, die man nicht vergisst. Hurrah, damit stoßen Hangatyr schlagartig zur Speerspitze der Thüringer Heidenmetallszene vor!

Wichtig zu erwähnen ist mir auch noch: Durch die willkommen ungeschliffene Produktion und die hochgradig ergiebige Wahl der stets clever zueinander arrangierten Tonfolgen wirkt das gehaltvolle Klanggebräu des Thüringer Quintetts faszinierend „alt“ und teils sogar archaisierend – erdige Authentizität in Reinkultur also, die ich hier in jeder Weise absolut positiv verstanden haben möchte. Für stets aufs neue frische Gänsehaut sorgen neben Erwähntem die vielen Breaks mit all ihren jeweilig nachfolgenden Rhythmuswechseln – Schlachtentrommler Michael hat zweifelsohne mächtige Kämpfertakte im Blut, die ihm von ruhmreichen Vorfahren über Generationen vererbt wurden. Ständig interessant bleibt die Veröffentlichung eben nämlich nicht zuletzt durch die klug inszenierten Variationen der Spielgeschwindigkeiten, für welche die bestens aufeinander eingespielte Band deutlich hörbar auch sehr viel strukturellen Aufwand betreibt.

Überhaupt, ein enorm ereignisreiches Debütalbum, das einen in den intensivsten Momenten wahrlich nicht selten trifft wie der berühmte Blitz. Gegründet wurde die ostdeutsche Grollformation laut Überlieferung im Jahr 2006 – da müssen sie aber fleißig geübt haben, um solche überzeugenden Stücke hinzukriegen. Eine Riesenportion Talent braucht man für eine Scheibe wie „Helwege“ jedoch natürlich auch.

Weit entfernt vom ärgerlich oberflächlichen Nonsens, der sich mehr und mehr in der heidnischen Metal-Szene breit macht, fühlen sich also Hangatyr ideell und künstlerisch zu Hause – mit ihrer großartigen Musik erlangen sie ein kleines Stück Unsterblichkeit in einer Welt, die bald nur noch aus fett-, zucker- und spaßsüchtigen Konsumsklaven zu bestehen scheint. Doch Aktion ist gleich Reaktion, wie man aus der Physik weiß – und solange es aufrichtige Rebellenhorden wie Hangatyr gibt, ist das ganze irrsinnige Treiben der „aufgeklärten modernen Welt“ noch einigermaßen zu ertragen.
© Eckbert, 28.02.2010

Samstag, 8. Oktober 2011

NATTSMYG "Fylgja" Review











Band:NATTSMYG
Titel:Fylgja
Genre:Mystic Folk Metal
Label:Unexploded
Punkte:9 / 10
 
Wunderbar stimmungsvolle und anregend verträumte Ästheten-Kompositionen naturspirituell-charismatischer Anmut zeichnen dieses absolut empfehlenswerte Mystic Folk Metal-Werk aus. Im Jahr 2005 in Schweden gegründet, legen Nattsmyg in Form von „Fylgja“ ihren dritten Langspieler vor. 2007 erschienen bereits die zwei Alben „När Solen Slocknar“ und „Född Att Härska“, welche das betont schöngeistige Schaffen des talentierten Haupt-Initiatoren und Multiinstrumentalisten Dan Heikenberg aufgrund kleiner Verbreitung leider noch nicht sehr populär machen konnten. Die signifikante Spezialität dieses Schweden ist es auf „Fylgja“, überragende emotionale Ebenen in seinen oftmals einnehmend epischen Wonne-Liedern zu transformieren. Besungen werden die zehn mächtig sehnsüchtig anmutenden Kompositionen von Heikenberg in überwiegender Biest-Manier und vereinzelten Klargesängen. Die Stücke werden jedoch auch zusätzlich sehr gekonnt und ausdrucksstark veredelt von Vokalistin Linn Carlshaf, die mit ihrer unschuldig und blütenrein klingenden Elfenstimme für so manche anhaltende Ergriffenheit sorgen kann.

Der nicht zu harte Folk Metal von Nattsmyg erfährt durch additionale mannigfaltig-opulente Tastenbegleitungen eine prächtige Vielfalt an höchst malerischen Melodie-Aufwertungen. Und besagtes Keyboard-Spiel perlt hierbei nicht nur einfach als pflichtschuldig ausschmückendes Beiwerk vorbei, sondern diese unheimlich faszinierenden Synthesizer-Wohlklänge werden als vollwertiges und tragendes Instrumentarium eingesetzt. Letzteres ermöglicht der famosen Musik beinahe ständig eine gar berauschend schwärmerische Gesamtatmosphäre. Tief betörende besinnliche Passagen wissen das angenehm positive Gesamtbild dieser überraschend liebevoll komponierten Schwelgerei-Platte enorm abzurunden. Die hinsichtlich der Anregung zu stark naturverbundenen Hingabe-Phantasien maximierten zehn Songs der Scheibe sind zuweilen von herrlich gespenstischer Atmosphären-Anmut und alles verschlingender, genussvoll sinnlicher Intensität.

Die Extremität der Kontraste wird auf „Fylgja“ glücklicherweise aber eben nicht auf Biegen und Brechen mit Gewalt ausgelotet, sondern eher immens durchdacht und sehr zweckdienlich genutzt, was der merklich ausgewogenen Veröffentlichung eine durch und durch wohltuende Harmonie entströmen lässt. Für anspruchsvolle Hörer, die es in diesem musikalischen Bereich gerne so mystisch und gefühlvoll als möglich mögen, stellt „Fylgja“ eindeutig eine absolute Vollbedienung dar.

© Eckbert, 05.09.2011

Mittwoch, 5. Oktober 2011

NOTHGARD "Warhorns Of Midgard" Review


Band: NOTHGARD
Titel: Warhorns Of Midgard
Genre: Epic Viking Metal
Label: Black Bards
Punkte: 9 / 10

Wie aus dem Nichts platzen diese musikalisch verdammt fitten bajuwarischen Viking Metal-Melodiker in die Genre-Szenerie, und ihr enorm sprunghaftes und agiles Songmaterial weist die willkommene Newcomer-Band schon gleich als echte Könner aus. Dabei hantiert der spritzige Haufen vom Bayerischen Wald auch gekonnt mit imposant inszenierten Pagan Metal-Ingredienzien. Eindeutig: Bei Nothgard kommt zusammen, was zusammengehört! Ihren gleichfalls epischen als auch dramaturgisch mordsdichten Edel-Mix aus den beliebten Stilistikmerkmalen der skandinavischen Erfolgsbands Ensiferum (Riff-, Melodie- und Songstrukturen) und Moonsorrow (Bombast, Ambiente und Epiken) garniert die junge Heidentruppe mit haufenweise eigenständig aufgepflanzten Nuancen. Ideenreichtum ist hier also beileibe keine Mangelware. So strotzen die teils atemberaubend variantenreichen Glanznummern auf dem ansteckend temperamentvollen Debütalbum „Warhorns Of Midgard“ auch geradezu vor spieltechnischem Feuer, überschäumenden Vokalisierungen und quirligen Rhythmuskanonaden. Beileibe tippt man bei Nothgard also nicht auf den ersten Hörer auf einheimische Genre-Repräsentanten, denn die Rotte klingt alles andere als leidenschaftslos und gehemmt.

© Eckbert, 23.03.2011

Donnerstag, 19. August 2010

"Fernseh-UNTER-Haltung..."

Damit die Menschen der Neuzeit immer noch unselbständiger, kritikloser und geistig träger werden, dafür gibt es das moderne Fernseh-Programm.


Man stelle sich dazu mal rein hypothetisch vor, wie die Leute in ihrer damaligen limitiert gehaltenen Weltsicht wohl reagiert hätten, wenn man als Redner vor 500 Jahren einer Menschenmenge auf einem mittelalterlichen Marktplatz Folgendes mit harscher Phrasierung verkündet hätte:

"Höret, höret ihr Leute: In der Zukunft werden alle Menschen aus allen sozialen Ständen und Schichten wie gebannt in einen quirligen Zauberkasten starren, der sprechen kann und in dem sich bunte Bilder bewegen. Und dieser Kasten wird ihnen allen täglich rund um die Uhr sagen beziehungsweise diktieren, was sie über sich und andere zu denken haben, was sie den ganzen Tag zu tun haben und sogar wie sie sich jährlich komplett neu zu kleiden haben.

Dieser verhexte magische Kasten wird es sogar perfide hinkriegen, all die Leute von ihrem einstigen Ursprungs-Lebensraum abzubringen und die Natur für profitable Ziele gnadenlos zu schänden. Längst wird der hinterhältig lügende Hexenkasten mit all seinen irrsinnigen Inhalten den Großteil der Leute seelisch und körperlich schwer krank machen, doch fast keiner von ihnen wird auch nur ansatzweise daran denken, nicht mehr hineinzusehen und sich das Leben, Denken und Empfinden nicht davon komplett vorschreiben zu lassen."

Niemand hätte das wohl damals nach so einer derartigen Ansprache geglaubt und der Redner wäre blitzartig als Ketzer auf dem lodernden Scheiterhaufen gelandet. Doch heute ist das leider blanke Realität... Schlimmer noch: Schenkt man zumindest all den mittlerweile noch penetranter auf uns alle ununterbrochen eindreschenden Nachrichten und "News-Tickern" Glauben, leben wir allesamt nämlich mittlerweile in einer richtigen Horrorshow. Ja, es vergeht schon jetzt leider kein (Fernseh)Tag mehr in unserem geistigen Universum ohne zahllose Leichen beziehungsweise ihre Einzelteile, ohne Mörder und ihre abscheulichen Taten, ohne Menschenblutlachen, ohne tragische Unfälle, ohne schlimme Katastrophen, ohne grausamste Kriegsgräuel etc. - und ohne viel zitierte "Skandale", seien sie nun im - für den gesellschaftlichen Neidfaktor so dringend benötigten - Establishment oder auch sonstiger Natur. Gut, Letzteres nimmt sowieso kein Mensch noch ernst, der noch halbwegs bei Sinnen ist.

Ja, ohne Blutspritzer, Grausamkeiten und dergleichen scheint's jetzt bald echt nicht mehr zu gehen in all den Monstrositäten der Neuzeit. Deutliche Zeichen der großteils wirklich kranken und haltlos unmenschlich gewordenen Zeit, in der wir nun mal leben (müssen). Für den überwiegenden Großteil der "Konsumenten" sind solche Geschmacklosigkeiten mittlerweile "normal" und auch "irgendwie schon ganz cool", ja, wenn nicht zuweilen sogar "witzig" geworden. Hält man sich diese immer noch expliziter werdenden Brutalitäten vor Augen, die vor einigen Jahren ja so noch undenkbar gewesen wären, kann man sich der Frage nicht erwehren, wohin das führen wird - was also werden die extremen Filmveröffentlichungen beziehungsweise die damit verbundenen Webseiten in zehn, fünfzehn Jahren aufbieten?

Samstag, 31. Juli 2010

"Spaßgesellschaft" mit immer weniger Spaß?

Nur allzu gerne würde ich euch an dieser Stelle berichten, dass sich seit dem letzten Jahr 2009 sich so manches auf dieser Welt zum Besseren gewandelt hat. Schön wär's. Leider aber ist eher das exakte Gegenteil der Fall.


Schenkt man zumindest all den mittlerweile noch penetranter auf uns alle ununterbrochen eindreschenden Nachrichten und "News-Tickern" Glauben, leben wir allesamt nämlich mittlerweile in einer richtigen Horrorshow.

Ja, es vergeht schon jetzt leider kein Tag mehr in unserem geistigen Universum ohne zahllose Leichen beziehungsweise ihre Einzelteile, ohne Mörder und ihre abscheulichen Taten, ohne Menschenblutlachen, ohne tragische Unfälle, ohne schlimme Katastrophen, ohne Kindesmissbrauch, ohne grausamste Kriegsgräuel - und ohne viel zitierte "Skandale", seien sie nun im - für den gesellschaftlichen Neidfaktor so dringend benötigten - Establishment oder auch politischer Natur. Letzteres nimmt sowieso kein Mensch noch ernst, der noch halbwegs bei Sinnen ist.

Sollte man also all das Böse, Schlimme, Beängstigende, Traurige etc. aber richtig ernst nehmen? Mutter Erde nicht mehr als das sehen beziehungsweise erkennen, was sie ist, nämlich noch immer wunderschön? Niemand wird ernstlich abstreiten wollen, das solch' eine Lebensanschauung nämlich noch immer der verlässlichste Garant für geistige Gesundheit ist.

Und gerade dies scheint im Jahr 2010 nach der angeblichen Geburt eines global-berühmten religiösen Eiferers notwendiger denn je. Denn die Angst in den Köpfen, Herzen und Bäuchen der Menschen wird mit all diesen schaurigen täglichen Ekelgeschichten und Schreckensvisionen der Massenmedien immer größer gezüchtet - Angst, ja genau, darum geht es "ihnen". Ihnen, die mit dem existenziellen Faktor "Angst" seit so einiger Zeit in der Historie schon Abermilliarden von Dollars machen. Um "Gottes Willen", werden sich die allermeisten der erbärmlich medien- und religionshörigen Kleinschäfchen da jeden Tag in sich gekehrt denken - gekoppelt mit dem flehentlich herunter gebeteten Wunschgedanken "der Herr steh' uns bei!" Doch der hat auch aktuell natürlich mal wieder Besseres zu tun als ein wenig beizustehen. Was das nun so genau ist, bleibt zumindest mir bis heute ein absolutes Rätsel.

Halb so wild, wollen uns manche bauernschlaue Weltverbesserer mit falsch grinsenden Fratzen und hoch erhobenen Zeigefingern von allen Seiten weismachen - und so bleiben all den armen gequälten Kreaturen, die sich auch gerne die Krone der göttlichen Schöpfung nennen, zahllose perfide durchkalkulierte, auf neuronale Konditionierung getrimmte Fernsehprogramme.

Addiert man dazu noch unzählige alltägliche elektronisch-digitale Sinnlosigkeiten der global vernetzt vorgehenden Unterhaltungsindustrie, die primär das eigenständige Denken blockieren sollen, bleibt eigentlich nur eine unschöne Feststellung: Auf menschlicher Ebene gehen wir allesamt bitteren Zeiten entgegen. 

Niemals zuvor sah man sich auf dem massenmedialen Sektor also dermaßen viel Nonsens ausgesetzt - geistige Zersetzung auf allerhöchstem Niveau, die da im effizienten Kollektiv betrieben wird. Tja, und genau die angesprochenen, das eigentliche Leben so trickreich verfälschenden Inhalte sind nicht wenig dafür verantwortlich, dass ein Großteil der heutigen, sich selbst unerbittlich hetzenden Leistungsgesellschaft, sich mental immer mehr in sich selbst zurückzieht.

Eilig hastend, dekadent genusssüchtig und dabei zwischen Psychiaterliege und Karriereleiter unentschlossen hin und her lavierend, wissen all die modernen Roboter aus Fleisch und Blut oftmals ja schon gar nicht mehr, worauf es im Leben wirklich ankommt. Nämlich eben nicht auf brutalste Gewalt, Ekel, Abscheulichkeiten, Gemeinheiten, Lügen, Pornographie und vor allem abgrundtiefe Halbherzigkeiten in Sachen Kunst an sich. Sondern auf großartige humane Grundeigenschaften wie Passion, ehrliche Hingabe, Zusammenhalt, Selbsttreue und die reine und unverdorbene Liebe zum Individuum und zur Kreativität an sich. So definiere ich persönlich zumindest die Bestandteile purer und unverfälschter Lebensfreude.

Als man mich zwang, schulischer Mathematik teilhaftig zu werden, hasste ich besonders Gleichungen wie die Pest - eine aber spricht mir aus dem Herzen und ist ein Teil meiner Lebenseinstellung geworden: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude aber ist doppelte Freude!

Dienstag, 1. Juni 2010

Intro

Only when the last tree has been cut down;
Only when the last river has been poisoned;
Only when the last fish has been caught;
Only then man will realize that he cannot eat money.
(Indian Prophecy)


Bestürzender Fakt ist: Die bekannte Welt geht schon seit vielen Jahren auf kultureller, ideeller und intellektueller Ebene immer mehr den Bach runter. Wer dies auch gegenwärtig noch pathetisch leugnet, der sollte mal die dickglasige Hornbrille aufsetzen und aus seinem Kinderzimmer heraus auf die Straßen blicken. Ein schmerzender Niedergang also, dem es entschlossen mit eisernem Willen zu trotzen gilt.

So lehne ich mich im Geiste entschieden gegen erwähnten und stetig ansteigenden Moral- und Sittenverfall auf. Denn gerade die Bewohner der westlichen Industrienationen an sich hat man von hoher Warte aus viel zu sehr mit Wohlstand betäubt. In solcherlei Lethargie haben sie größtenteils gar nicht registriert, wie man sie seit Anfang 1970 immer tolldreister, frecher und ungenierter von allen Seiten ihrer einstigen Werte bestohlen hat – was man wohl am stärksten jedes Jahr aufs Neue zur eklig verkommerzialisierten Weihnachtszeit bemerkt.

Betrüblich ist, dass die allermeisten Leute um einen herum größtenteils echt nichts mehr in sich tragen. Keinen Stolz, keine Würde, keinerlei echte Herzlichkeit, keinen Funken Güte sowie keinen ehrlichen Sinn für überliefertes Brauchtum. Kein Wunder, die gleichgeschalteten Systemmedien arbeiten ja auch emsig an diesem Zustand. Sind wir also doch mal ganz ehrlich: Entwurzelt und desorientiert ergeben sich die Menschlein beinahe weltweit stets aufs Neue dem Konsumrausch der von der Industrie mit allerlei aufdringlich werbendem Brimborium profitgierig forcierten „Feste“ hin - welche ja mittlerweile mit ihrer jeweiligen ursprünglichen Bedeutung nichts mehr gemein haben.

Der Mensch, ja, er ist zu einem Lebewesen geworden, welches die große Erdenmutter mehr und mehr schändet. Der Mensch braucht die Natur – sie ihn jedoch nicht. Deswegen wird sich eines fernen Tages alles von selbst erledigen und dieser lästige Parasit wird an seiner eigenen Gier zugrunde gehen. Der Mensch, noch immer größtenteils an seinen Christengott glaubend, bezeichnet sich als die Krone der „Schöpfung“? Ha, Narrenkappe würde besser passen! Hierzu ein kleines Beispiel, welches mir beim letzten Waldspaziergang durch den Kopf ging: Eine Ameise, welche aus ihrem Kokon ausschlüpft, findet sich schon nach wenigen Momenten der Chitin-Verhärtung ihres Panzers augenblicklich in einem aus Millionen von Tieren bestehenden Staat zurecht und kennt schon nach kurzer Zeit ihre genaue Aufgabe inmitten aller anderen Artgenossen. Solche Ameisenstaaten, na, nehmen wir doch mal rote Waldameisen zum Beispiel, funktionieren absolut reibungslos. Futtersammler, Ammen, Soldaten, Kundschafter, Bau- und Brutpfleger sowie allerlei mehr kümmern sich um den Staat, welcher die Königin umgibt. Die soziale Gemeinschaft ist von beeindruckender Dichte. Kriege führen sie keine, da die einzelnen Staaten sich den anderen nicht zu sehr annähern. Auch leben diese superintelligenten Tiere mit ihrer natürlichen Umgebung in vollkommen harmonischem Einklang und auch sich „krank zu fressen“ kennen sie nicht.

Dagegen der „Mensch“: Für die Gesundheit der Mutter seit jeher risikoreich geboren und vom ersten Moment völlig hilflos. Völlig. Sieht nichts, hört nichts, versteht nichts. Sicher, die Wissenschaft beweist immer wieder, dass Babys sehr wohl zwischen allen möglichen Eindrücken bereits im Mutterleib zu unterscheiden imstande sind. Doch darauf möchte ich nicht hinaus – sondern darauf, dass es oft geschlagene 20 (!) Jahre lang dauert, bis Menschen in der Lage sind, selbständig zu leben und Entscheidungen zu treffen. Möchte man meinen. Doch die Realität sieht doch anders aus: Auch nach genanntem Zeitraum ist der bei weitem überwiegende Teil dieser mit astronomisch großer Schande beladenen Spezies nicht annähernd dazu fähig, eine eigene Meinung, einen eigenen Geschmack, eine eigene Persönlichkeit aufzuweisen. Die Menschen laufen größtenteils mit der Masse, reden den Oberen ihrer Umgebung nach dem Mund und wenn sie das in manchen Fällen ganz besonders gut tun, dann machen sie „Karriere“. Was wiederum in den meisten Fällen dazu führt, dass Geld- und Machtgier überhand nehmen.

Schon wären wir wieder beim Raubbau an der Erdenmutter angekommen. Die Luft verpestet, das Wasser, also Flüsse und Meere vergiftet, die Ozonschicht zerstört – welch ein beschämendes Werk. Und welch ein Leben. Für den Menschen. Also: Eine rote Waldameise ist wohl ungefähr 350mal kleiner als der Mensch, ihr Gehirn wahrscheinlich im selben Verhältnis, und doch sind diese Bodeninsekten uns in so vielen Dingen so immens überlegen. Und daher mag ich rote Waldameisen lieber als viele Menschen. Und daher bin ich lieber in meinem über alles geliebten Wald als an der Bar oder in der Kneipe – also dort, wo die allermeisten Menschen ihre vielen Gewissensbisse zu ertränken versuchen, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist: Im Einklang mit der Welt zu leben, in die man hineingeboren wurde. Will man also den wahren Charakter eines Menschen so richtig kennen lernen, dann gebe man ihm Macht.

In diesem Sinne: Es lebe die Natur!